Davaj Voyage

Johan Robin (video + film)

Anja Tchepets (live-drawings + projections)

Harald Ansorge (music + acoustical scape)

Konstruktion des Posters - 45 sec

Ikonografie des Reisens in bewegten Bildern

Eine Grundlage für das Projekt ist eine grosse über Jahrzehnten gewachsene Sammlung der analoge Amateurfilme auf Schmalfilmbasis, die Künstler zu Sichtung stellen. Kilometer und Kilometer von 8-mm Filmaufnahmen vom Hobby-Filmemacher aus dem ganzen Welt, diese Bilderkosmos authentischer Filmaufnahmen umfasst mehr als 415 Stunden Filmaufnahmen, die das alltägliche Leben und Reiseberichte ab Mitte der 1950er bis Anfang der 1990er Jahre zeigen. Die Namen von fremden fernen Orten, ehemalige Reiseziele von Unbekannten erwecken die Neugier und den Lust sich selbe auf der Reise aufzumachen, diesmal nicht in die Ferne, sondern in die Vergangenheit, das Gedächtnis. Mit dem Rattern der sich drehenden Zahnräder eines Filmprojektors sich auf die Reise aufzumachen in die unbekannten Welten, sich den Zauber anzulassen, die Überraschung von nicht Wissen was auf einen kommt. 

Sammlung

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Zwei Muster sind diesem Archiv eigen, einmal die Kontingenz des Zustandekommens und zweitens die verlässliche Ähnlichkeit von Strukturideen, die wie Fäden in die bewegten Bilder eingewoben sind. Das Archiv authentischer Filmaufnahmen umfasst hunderte Kilometer analoger Aufnahmen. Nach heutigen Maßstäben in einer Zeit der umfassenden Verbreitung digitaler Technik ist dies wahrscheinlich nur ein Bruchteil dessen, was ständig produziert wird. Nicht vergessen sollten wir, dass die Techniken des Amateurfilms voraussetzungsvoll waren (technische Voraussetzungen im engeren Sinne, das Filmmaterial selbst, die irreversible Belichtung, die notwendige Planung der Aufnahmen). Wir erfahren durch diese Filmaufnahmen etwas über fremde Orte (die Entwicklung des Tourismus als Massenphänomen fällt in die Zeitspanne des Archivs), die Reiseziele, das Alltagsleben, die Ambitionen der Autor/innen. Die bewegten Bilder dienten einst der Erinnerung, gekoppelt an erzählte Geschichten und vor allem Autor/innen, in deren Subjektivität die im Film externalisierte Erinnerung eine besondere Bedeutung erhielt. Wir können nun losgelöst von den Autorinnen durch diese Gedächtnislandschaften kreuzen.

Arbeitsplatz

Die Technik der Aufbewahrung entrückter Augenblicke als Sinnangebot im Kampf gegen die Spurlosigkeit der eigenen Existenz.

Cuxhavener Nachrichten 21.05.2021.png